Dregger, Alfred

* 10.12.1920 Münster/Westfalen
† 29.06.2002 Fulda

Jurist, Oberbürgermeister, Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion, Dr. jur., rk.

1939-1945 Militärdienst, zuletzt Hauptmann
1946-1950 Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in Tübingen und Marburg, Promotion zum Dr. jur.
1954-1956 Referententätigkeit beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und beim Deutschen Städtetag (DStT)
1956-1970 Oberbürgermeister in Fulda
1962-1972 Mitglied des Hessischen Landtags
1964-1970 Präsident und Vizepräsident des Deutschen Städtetages
1967-1982 Vorsitzender des Landesverbandes Hessen der CDU
1970-1972 Vorsitzender der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag
1972-1998 Mitglied des Deutschen Bundestages
1976-1982 Stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag
1982-1991 Vorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag
1984 Ehrenvorsitzender des Landesverbandes Hessen der CDU
1991-2002 Ehrenvorsitzender der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag

Biographischer Werdegang

Als Alfred Dregger im Juni 2002 verstarb, würdigte ihn sein langjähriger politischer Wegbegleiter Helmut Kohl bei der Trauerfeier im Fuldaer Dom als standhaften und wertorientierten Konservativen. "Er war kein Mann, der morgens aufstand und den Finger in den Wind hielt, um zu sehen, woher der kommt. Er war kein Freund des Zeitgeistes."

Herkunft

Alfred Dregger wurde 1920 als Sohn eines Verwaltungsbeamten im westfälischen Münster geboren. Nach dem Ende der Schulzeit erfolgte die Einberufung in die Wehrmacht. Die persönlichen Briefe in seinem Nachlass zeigen einen durch die Erlebnisse des Krieges und den Verlust des einzigen Bruders im Krieg geprägten Mann.

Nach Kriegsende studierte Dregger in Tübingen und Marburg Rechts- und Staatswissenschaften. Das Studium schloss er mit dem Ersten und Zweiten Staatsexamen und der Promotion zum Dr. jur. ab. Referententätigkeiten beim Bundesverband der Deutschen Industrie und beim Deutschen Städtetag waren erste berufliche Stationen.

Der Oberbürgermeister von Fulda

Der Weg in die Politik begann 1956 mit der Wahl zum Oberbürgermeister von Fulda. Alfred Dregger war damals der jüngste Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt. Diese Jahre, die er rückblickend als die glücklichste Zeit seines Lebens bezeichnete, waren gekennzeichnet durch Bewahrung des städtischen historischen Erbes und ein umfangreiches Stadtentwicklungskonzept verbunden mit der Modernisierung des Verkehrssystems sowie einem vorbildlichen Schul- und Wohnungsbauprogramm.

Der hessische Landesvorsitzende

1962 erfolgte die Wahl in den hessischen Landtag. 1967, ein Jahr nach der verlorenen Landtagswahl, übernahm Dregger den Landesvorsitz der hessischen CDU. Auf dem Landesparteitag in Eltville, am 2. Dezember 1967, rief er den Delegierten zu: „Wir wollen die Mehrheit in Hessen gewinnen." Drei Jahre später erreichte die Partei bei der Landtagwahl über 39% der Stimmen und konnte ihr Ergebnis um 13% verbessern. In der Ära Dregger stiegen die Mitgliederzahlen der CDU von 22.000 auf 71.000 und es gelang der Aufbau einer modernen Parteiorganisation. Sein kämpferischer und auch polarisierender Stil machten ihn zur Zielscheibe des politischen Gegners. „Don Alfredo" und „Django Dregger" standen, in Anlehnung an ein Landtagswahlplakat von 1970, für ein forsches und entschlossenes Auftreten. 1974 errang die Partei bei der Landtagswahl 47,5% der Stimmen und verfehlte nur knapp die absolute Mehrheit, um regieren zu können. Der allgemein verbreitete Unmut großer Teile der hessischen Bevölkerung über die Schulpolitik und die Gebietsreform der SPD-geführten Landesregierung machten die CDU für viele Wähler attraktiv.

So fielen 1977 bei den Kommunalwahlen zahlreiche Städte und Kommunen, die über viele Jahre von der SPD regiert wurden, an die CDU. In der aus dem Zusammenschluss von Gießen und Wetzlar gebildeten Stadt Lahn konnte die Partei ihr Ergebnis um über 30% steigern und erreichte die absolute Mehrheit. In Frankfurt stellte die CDU mit Walter Wallmann erstmals den Oberbürgermeister.

Der Bundespolitiker

Als Landesvorsitzender der hessischen CDU gewann Alfred Dregger auch zunehmend bundespolitisch an Gewicht. Er galt als Sprachrohr des konservativen Flügels und Interessenvertreter der Kriegs- und Aufbaugeneration in der Union. Der CDU-Slogan zur Bundestagswahl 1976 "Freiheit statt Sozialismus" ist auf ihn zurückzuführen. Viele seiner politischen Gegner sahen in Alfred Dregger einen rechtskonservativen Law- and Order-Mann. Andere, wie Hans-Jochen Vogel, mit dem ihm trotz unterschiedlicher parteipolitischer Ausrichtung seit den Marburger Studententagen eine enge Freundschaft verband, schätzten seine Gradlinigkeit und Aufrichtigkeit. Seit 1969 war Dregger Mitglied des CDU-Bundesvorstands und ab 1977 auch des Präsidiums. Über 25 Jahre gehörte Dregger dem Deutschen Bundestag an und gewann sieben Mal hintereinander das Direktmandat seines Wahlkreises. Umfangreiche Archivmaterialien dokumentieren seinen Einsatz für die Interessen der Menschen in seinem Wahlkreis, wie die Bemühungen um den Erhalt von Arbeitsplätzen sowie um den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur im Raum Fulda und die verkehrsmäßige Anbindung der wirtschaftlich schwachen Rhön an das Industrie- und Finanzzentrum im Rhein-Main-Gebiet.

Nach der Wahl Helmut Kohls zum Bundeskanzler wählte die CDU/CSU-Fraktion Alfred Dregger 1982 fast einstimmig zu ihrem neuen Vorsitzenden. In der Debatte um die Nachrüstung zu Beginn der 1980er Jahre trat er für den NATO-Doppelbeschluss ein. Der Schutz der Demokratie vor ihren inneren und äußeren Feinden, die Freiheit des Einzelnen im sozialen Rechtsstaat und die Wiederherstellung der deutschen Einheit in Frieden und Freiheit prägten, wie die umfangreiche Redensammlung und Briefwechsel in seinem Nachlass und im Archivbestand der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag dokumentieren, seine Grundüberzeugungen. 1991 legte Dregger eher widerwillig zugunsten von Wolfgang Schäuble den Fraktionsvorsitz nieder und war fortan Ehrenvorsitzender.

1998 verzichtete er nach langen innerparteilichen Querelen auf eine weitere Kandidatur für den Deutschen Bundestag. Alfred Dregger zog sich in seine Heimatstadt Fulda zurück, wo er 2002 nach längerer Krankheit verstarb. Seit 2005 erinnert die Alfred-Dregger-Allee in Fulda an den langjährigen Oberbürgermeister, die Geschäftsstelle des CDU-Landesverbandes in Wiesbaden trägt seit 2010 den Namen Alfred-Dregger-Haus.

Literaturhinweise

Alfred Dregger: Freiheit in unserer Zeit. Reden und Aufsätze. München 1980.
Ders.: Der Preis der Freiheit. Sicherheitspolitik im geteilten Europa. Tübingen 1985.
Ders.: Der Vernunft eine Gasse. Politik für Deutschland. Reden und Aufsätze. Tübingen 1986
Ders.: Einigkeit und Recht und Freiheit. Beiträge zur deutsch-europäischen Einheit. Tübingen 1993.
Ders.: Dilemma der Frontsoldaten. Gegen die zynische Einseitigkeit der Nationalmasochisten. N: Junge Freiheit 95/ 15, S. 2.
Ders.: Mein Blick nach vorn. Würzburg 2000.
Günter Reichert, Dieter Weirich, Werner Wolf (Hg.): Alfred Dregger. Streiter für Deutschland. Frankfurt a.M. 1991.
Michael Schwab (Hg.): Alfred Dregger für Fulda und Deutschland - Stationen eines charismatischen Politikers. Dokumentationen zur Fuldaer Stadtgeschichte Nr. 26. Petersberg 2008.

Angela Keller-Kühne