Deutsch-sowjetische Beziehungen

Kohl und Gorbatschow: Vom Konflikt über Annäherung bis zu vertrauensvoller Zusammenarbeit.

Verhältnis zur Sowjetunion

Die ersten Kontaktaufnahmen zwischen Bundeskanzler Kohl und KPdSU-Generalsekretär Gorbatschow scheinen in einen Konflikt zu münden: Am 15. Oktober 1986 stellt Kohl in einem Interview mit dem US-Nachrichtenmagazin "Newsweek" den sowjetischen Parteichef Michail Gorbatschow in einen engen Zusammenhang mit NS-Propagandaminister Joseph Goebbels: "Er ist ein moderner kommunistischer Führer, der sich auf Public Relations versteht. Goebbels, einer von jenen, die für die Verbrechen der Hitler-Ära verantwortlich waren, war auch ein Experte für Public Relations". Am 6. November distanziert sich Kohl von seinen Aussagen, ist jedoch zu keiner offiziellen Entschuldigung bereit. Die durch das Interview hervorgerufenen Belastungen in den Beziehungen werden durch den Reformwillen der sowjetischen Führung („Glasnost" und „Perestroika") und Kohls energische Abrüstungsbemühungen, teilweise im Gegensatz zur handlungsweise der übrigen anglo-amerikanischen NATO-Verbündeten, überwunden. Das Klima zwischen beiden Staatsmännern verbessert sich erheblich. Bei einem Besuch Kohls in Moskau im Oktober 1988 erklären er und Gorbatschow, dass die „Zeit des Eises" beendet sei. Kohl bekundet öffentlich seine Hoffnungen und Bestrebungen, die Wiedervereinigung Deutschlands verwirklichen zu können. Am 13. Juni 1989 verabschieden sie in Bonn eine „Gemeinsame Erklärung" zur Achtung der Grundsätze der Menschenwürde, des Völkerrechts und des Selbstbestimmungsrechts der Völker. Am 9. November 1990, am Jahrestag des Mauerfalls, vereinbaren Präsident Gorbatschow und Bundeskanzler Kohl in Bonn den „Generalvertrag" über gute Nachbarschaft, Partnerschaft und Zusammenarbeit.