28. Januar 1995
Rede anlässlich des Festakts zum 200-jährigen Jubiläum der Meyer-Werft in Papenburg


Liebe Familie Meyer,

sehr geehrter Herr Minister Habibie,

meine Herren Minister,

meine Damen und Herren Abgeordnete,

meine Damen und Herren,

mein herzlicher Glückwunsch gilt Ihnen, liebe Familie Meyer, und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zum 200jährigen Bestehen der Firma Meyer. Erfolg und Bedeutung der Meyer-Werft spiegeln sich in der Vielzahl der Gratulanten wider, die von nah und fern zu Ihnen gekommen sind. Einen besonders herzlichen Gruß möchte ich an dieser Stelle an Ihre und unsere ausländischen Gäste, allen voran Herrn Minister Habibie aus Indonesien, Lord Sterling und die Herren Chandris aus London richten.

Ich verstehe meinen Besuch heute bei Ihnen auch als Demonstration für das Emsland - und für die Menschen, die hier leben. Dazu zählen natürlich besonders auch die Landwirte. Gerade habe ich mit Repräsentanten der Bauernschaft hier gesprochen. Was ich ihnen gesagt habe, möchte ich hier wiederholen; Ohne die Bauern wäre das Land hier im Norden ärmer, so wie Deutschland insgesamt ärmer wäre, wenn es die Bauern nicht gäbe.

Das Beispiel der Familie Meyer zeigt, wie wichtig es ist. auf die eigene Zukunft und die des Landes zu setzen. Ich wünsche Ihnen heute von Herzen, dass noch viele Generationen Ihrer Familie das Werk zweier Jahrhunderte fortsetzen werden. Mit Blick auf die Zeit vor 50 Jahren, auf die wir besonders in diesen Tagen zurückschauen, möchte ich der Generation danken, die sich in der Stunde Null am Ende des Zweiten Weltkriegs ohne zu zögern daran gemacht hat, Deutschland eine neue Zukunft wieder aufzubauen.

Heute, nachdem wir die Wiedervereinigung Deutschlands erreicht und die Chance haben, in einem geeinten Europa in Freiheit und Frieden zu leben, profitieren wir von dieser Leistung mehr denn je. Und wir haben mehr denn je Anlass, uns an die Lebenserfahrung und die Lebensbejahung dieser Generation zu erinnern. Damit verbinde ich einen ganz herzlichen Dank an die ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Meyer-Werft, ohne die dieser heutige Festtag niemals stattgefunden hätte.

In 200 Jahren wurden auf der Meyer-Werft über 600 Schiffe gebaut: Vom einfachen Holzkahn zum Transport des hier gestochenen Torfs auf der Ems bis hin zu modernen Kreuzfahrtschiffen für die Weltmeere. Damit ist die Meyer-Werft zugleich ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. 1 800 Menschen aus dem Emsland und aus Ostfriesland finden hier Arbeit und Einkommen. In manchen Familien wird schon über mehrere Generationen bei der Meyer-Werft gearbeitet.

Seit über 100 Jahren werden hier junge Menschen systematisch auf ihre spätere Tätigkeit als Schiffbauer vorbereitet. Die Eigentümer der Meyer-Werft haben frühzeitig erkannt, dass die Ausbildung von Lehrlingen eine der wichtigsten Investitionen in die Zukunft des eigenen Betriebs ist. Dafür spricht die Zahl von derzeit 100 Lehrlingen auf der Werft. In Anbetracht der bedenklichen Entwicklung, dass immer mehr deutsche Großunternehmen jungen Menschen weniger Ausbildungsplätze zur Verfugung stellen, ist dies eine beispielhafte Leistung.

Die Meyer-Werft genießt ein international hohes Ansehen. Manches Schiff, das heute die Papenburger Schleusen passiert, zählt zum größten seiner Art in der Welt: Vom Kreuzfahrtdampfer bis zum Flüssiggas-Tanker. Dass Sie, Lord Sterling, und Sie, meine Herren Chandris, auf dieser Werft Ihre Schiffe bauen lassen, ist eine gute Referenz für das Haus Meyer. Bei alledem ist die Meyer-Werft ein bodenständiges und mittelständisches Familienunternehmen geblieben. Hier werden heute Schiffe in der sechsten Generation gebaut.

Der Erfolg Ihres Unternehmens, liebe Familie Meyer, ist ein gutes Beispiel für die Bedeutung des selbständigen Mittelstands in unserem Land. Dieses Wort sagt etwas über die Tatkraft und die Entschlossenheit der Frauen und Männer aus, die hier gute Arbeit leisten. Der Mittelstand in Deutschland ist der Inbegriff von Leistung, lebendigem Wettbewerb und Eigenverantwortung. Er ist - wie es Ludwig Erhard schon definiert hat - Eckpfeiler unserer freiheitlichen Gesellschaftsordnung und Herzstück der Sozialen Marktwirtschaft. Mit Entschlossenheit, Tatkraft und Weitsicht haben Sie, liebe Familie Meyer, und Ihre Vorfahren Ihr Unternehmen auch in wirtschaftlich schwierigen Jahren sicher durch unruhige See gesteuert.

Die Geschichte der Meyer-Werft spiegelt ein Stück deutscher Geschichte zweier Jahrhunderte wider: Die napoleonische Kontinentalsperre hat Papenburg und seine Werften Anfang des 19. Jahrhunderts schwer getroffen. In diesem Jahrhundert haben sich zwei Weltkriege, die Weltwirtschaftskrise und Hyperinflation ereignet. Auch der Schiffbau hat in den vergangenen zwei Jahrhunderten immer wieder Umbruchsituationen durchlebt. Hohen und Tiefen haben hier - wie in der gesamten Wirtschaft - einander abgewechselt wie die Gezeiten des Meeres.

Die Eigentümer der Meyer-Werft haben sich immer auf ihre Stärken besonnen und mit emsländischem Pioniergeist stets die Bereitschaft gezeigt, Neues zu wagen. Sie haben immer wieder Innovationen im Schiffbau durchgesetzt und damit neue Märkte erschlossen. Damit haben sie sich auf einem Markt gut behauptet, der in den letzten Jahrzehnten bei zunehmender Konkurrenz einem schwierigen Strukturwandel ausgesetzt war.

Bund und Küstenländer haben die deutsche Schiffbauindustrie dabei nachhaltig gestützt. Allein in den letzten zehn Jahren sind Zuschüsse in Höhe von über fünf Milliarden D-Mark gewährt worden. Ich freue mich auch, dass die notwendige Vertiefung der Ems jetzt in vollem Gange ist. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Sicherung des Standorts Papenburg.

Natürlich hat die Bundesregierung auch den Aufbau einer leistungsfähigen Werftindustrie in Ostdeutschland intensiv gefördert. Ich weiß, dass manche von Ihnen dies mit gemischten Gefühlen sehen. Das kann ich sehr gut verstehen. Wir sollten aber auch sehen, dass die Menschen in Ostdeutschland über vier Jahrzehnte von einem sozialistischen Staatsregime um ihre Zukunftschancen betrogen wurden. Wir sollten anerkennen, dass ostdeutsche Werften im Zeitraffertempo das nachholen müssen, wozu westeuropäische Betriebe viele Jahre Zeit hatten.

Viele Menschen haben dort ihren Arbeitsplatz verloren. Sie haben ein schweres Schicksal zu tragen. Um es klar zu sagen: Die Hilfen für den ostdeutschen Schiffbau waren so bemessen, dass eine völlig marode Werftindustrie in Ostdeutschland westeuropäisches Niveau erreichen konnte. Nicht mehr und nicht weniger. Wir sind jetzt ein Deutschland. Lassen Sie uns deshalb gemeinsam dazu beitragen, dass das wiedervereinigte Deutschland ein wichtiger Schiffbaustandort bleibt.

Als wichtigen Schritt zur Beendigung des internationalen Subventionswettlaufs im Schiffbau sehe ich auch das OECD-Abkommen über die Einstellung von Beihilfen an. Dies entspricht der jahrelangen Forderung unserer Werftindustrie. Allerdings wird die Bundesregierung nicht zulassen, dass deutsche Werften in diesem Jahr, wenn Hilfen letztmals zugesagt werden dürfen, ohne jede Förderung dastehen. Daher werden wir die Aufstockung des Wettbewerbshilfeprogramms, das gemeinsam von Bund und Ländern finanziert

wird, noch mit Wirksamkeit für 1995 beim Deutschen Bundestag beantragen. Ich denke, im Ergebnis werden wir eine Summe bekommen, mit der Aufträge von insgesamt erheblichen Milliarden D-Mark gefördert werden können.

Wir müssen den Standort Deutschland grundlegend modernisieren, um unserem Land eine gute Zukunft zu sichern. Es geht um eine gesunde Wirtschaft und zukunftssichere Arbeitsplätze in Deutschland. Der Erfolg ist immer stärker davon abhängig, dass wir neue weltwirtschaftliche Herausforderungen wirklich offen annehmen.

Die Wirtschaft denkt und handelt - nicht nur im Schiffbau - zunehmend international. Es geht dabei nicht nur um wirtschaftliche Daten. Wir benötigen ebenso die richtige Gesinnung und Überzeugung. Dazu gehören vor allem auch die Fähigkeit und die Bereitschaft zum Umdenken. Als Beispiel möchte ich die zunehmende Konkurrenz vor unserer Haustür, in Mittel- und Osteuropa, nennen. Die alte Industrietradition dieser Länder, verbunden mit niedrigen Lohnkosten, wird auch für deutsche Investoren immer attraktiver. Darauf müssen wir uns einstellen. Schließlich ist es unser entschiedener Wunsch, dass die Länder Mittel- und Osteuropas auf eigene Beine kommen und zu Staaten werden, in denen die Menschen in Demokratie und Marktwirtschaft leben und arbeiten können.

Jeder Rückschritt in alte autoritäre und totalitäre Strukturen ist zugleich immer eine Gefahr für den Frieden in Europa.

Auch weltweit haben sich neue Konkurrenzsituationen ergeben, wie beispielsweise im pazifischen Raum. In Südkorea oder Taiwan, wie auch zunehmend in Indonesien, entstehen neue Wachstumszentren. Vor gut zwei Monaten fand in Ihrem Land, sehr geehrter Herr Minister Habibie, in Indonesien. das Gipfeltreffen der asiatisch-pazifischen Wirtschaftskooperation statt. Dabei wurde eine Freihandelszone für den pazifischen Raum vereinbart.

In Deutschland ist noch kaum bekannt, dass 18 Staaten dieser Region mit 40 Prozent der Weltbevölkerung die Hälfte des Weltsozialprodukts erzeugen. In fünf Jahren - zur Jahrtausendwende - werden sieben Länder aus dieser Gruppe unter den zehn führenden Wirtschaftsnationen der Welt rangieren. Hier zeigt sich, dass Deutschland nicht schlechter geworden ist, aber andere in großen Schritten aufholen. Dieser Entwicklung müssen wir uns stellen. Deutsche Unternehmen müssen im aufstrebenden Wirtschaftsraum Asien stärker Flagge zeigen. Dies ist wichtig auch für Arbeitsplätze von morgen in unserem Land.

Hier in Papenburg hat wirtschaftliches Denken und Handeln in internationalen Dimensionen bereits Tradition: Nach dem Zweiten Weltkrieg hat die Meyer-Werft intensive Handelsbeziehungen zu Indonesien aufgebaut. Noch

in diesem Jahr soll das 22. Schiff Papenburg in Richtung Indonesien verlassen. Es wurden jedoch nicht nur Schiffe nach Indonesien verkauft, sondern es wurde auch ein Kooperationsabkommen abgeschlossen. Indonesische Schiffbau-Ingenieure wurden hier auf der Meyer-Werft fortgebildet. In Indonesien wird derzeit ein gemeinsam entwickeltes Passagierschiff gebaut.

Die Bundesregierung hat zusammen mit der deutschen Wirtschaft ein Asien-Konzept entwickelt. Wir werden den Dialog mit den Partnerländern in der Asien-Pazifik-Region weiter verstärken. Präsident Suharto wird anlässlich der Hannover-Messe im kommenden April zu Besuch nach Deutschland kommen. Ich freue mich auf die Gespräche mit ihm. In diesem Jahr ist Indonesien Partnerland der Industriemesse Hannover. Davon wird ein wichtiger Impuls für die deutsch-indonesischen Wirtschaftsbeziehungen ausgehen.

Indonesien ist eines der bevölkerungsreichsten Länder der Welt und daher ein wichtiger Zukunftsmarkt. Unternehmen in Deutschland sollten ihre Chancen dort stärker erkennen und auch nutzen. Dabei spreche ich aber nicht nur von Handelsbeziehungen, sondern beispielsweise auch von Kooperationen. Gerade das Beispiel der Meyer-Werft zeigt, dass auch mittelständische Unternehmen hier erfolgreich sein können.

Die Verbindung unserer beiden Staaten nützt Indonesien und Deutschland aber nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht. Die offene Begegnung mit den Menschen dieser großen asiatischen Kulturnation wird uns auch menschlich bereichern. Und Indonesien kann mit Deutschland Beziehungen zu einem europäischen Land aufbauen, das im 21. Jahrhundert eine gute Zukunft erwarten kann.

Deutsche Unternehmen sind auf den Weltmärkten wieder erfolgreicher. Die Standortsicherungs-Politik der Bundesregierung und die Anstrengungen der Wirtschaft zeigen ihre ersten Erfolge. Dies belegen die deutlich stärkeren Exporte ins Ausland von real plus sieben Prozent 1994 gegenüber dem Vorjahr. Deutsche Investitionsgüter sind zunehmend auch wieder im Inland gefragt. Mit einem Wort: Die deutsche Wirtschaft ist klar auf Wachstumskurs. Unlängst hat das Statistische Bundesamt ein reales Wirtschaftswachstum in ganz Deutschland von nahezu plus drei Prozent bestätigt. Die Inflation ist im vergangenen Jahr deutlich gesunken zum Jahresende auf plus 2,7 Prozent. Dies alles sind Kennzeichen eines sich festigenden Konjunkturaufschwungs.

Inzwischen zeigt sich auch auf dem Arbeitsmarkt eine deutlich erkennbare Wende zum Besseren. Wir haben den Tiefpunkt der Beschäftigung in Ost- und Westdeutschland durchschritten. Dennoch ist die Arbeitslosigkeit in ganz

Deutschland weiterhin viel zu hoch. Dabei bereiten vor allem Langzeitarbeitslose die größte Sorge. Staat, Wirtschaft und Gewerkschaften sind deshalb heute mehr denn je gefordert, ihre gemeinsamen Anstrengungen fortzusetzen und nach Kräften zum Abbau der Arbeitslosigkeit beizutragen. Das erste gemeinsame Gespräch, das ich vor wenigen Tagen mit den Spitzenvertretern von Wirtschaft und Gewerkschaften über wichtige Zukunftsfragen geführt habe, war sehr positiv. Es werden weitere Gespräche folgen.

Arbeitslosigkeit ist bei aller Härte kein unabwendbares Schicksal. In den achtziger Jahren wurden in Deutschland schon einmal über drei Millionen zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen. Der Beschäftigungserfolg der achtziger Jahre wird auch am Ende dieses Jahrhunderts wieder möglich sein, wenn Wirtschaft und Gesellschaft schnell und flexibel auf die Herausforderungen der Zukunft reagieren.

Ich nenne dazu nur zwei Beispiele, wo rasch gehandelt werden muss: Zum einen müssen neue, moderne Beschäftigungsfelder erschlossen werden. Forschung, Technologie und Innovation sind die wichtigsten Quellen für Wachstum und Arbeitsplätze von morgen. Neue Technologien müssen wir - ethisch verantwortet - auch konsequent anwenden. Erst dann können daraus zukunftssichere Arbeitsplätze entstehen. Darüber hinaus muss die Offensive für

mehr Flexibilität im Arbeitsleben und mehr Teilzeitbeschäftigung - und dies nicht nur für Frauen - gemeinsam mit Wirtschaft und Gewerkschaften fortgesetzt werden. Sicherlich ist Teilzeitarbeit kein Allheilmittel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, sie leistet aber einen wichtigen Beitrag zu mehr Beschäftigung in unserem Land.

Bei alldem darf nicht vergessen werden, dass die Zukunftssicherung zuallererst eine Frage des Umdenkens jedes einzelnen ist. Eine gute Zukunft des Lands kommt nicht aus dem Füllhorn staatlicher Wohltaten. Die Gestaltung der Zukunft muss in den Köpfen der Menschen beginnen. Hier sind Kreativität und Ideenreichtum gefragt; dafür müssen wir notwendige Freiräume erhalten und ausweiten. Das heißt vor allem, den Staat schlanker zu machen und Bürokratie abzubauen. Wir werden beispielsweise Planungs- und Genehmigungsverfahren weiter verkürzen.

Ein schlanker Staat bedeutet aber auch, dass wir den Anteil der Staatsausgaben am Sozialprodukt zurückführen müssen. Wir wollen wieder die Staatsquote von 46 Prozent wie vor der Wiedervereinigung erreichen. Mit der Fortsetzung der Haushaltskonsolidierung werden wir die Verantwortung gegenüber unseren Kindern und Enkeln wahrnehmen. Die Begrenzung der Staatsausgaben ist die Voraussetzung für die schrittweise Verminderung der Steuer- und Abgabenlast für Bürger und Unternehmen.

Den Solidaritätszuschlag werden wir so bald wie möglich abbauen und die Unternehmensteuerreform mit dem Ziel fortsetzen, das Schaffen von Arbeitsplätzen gerade auch im Mittelstand zu erleichtern. Unternehmen sollen gezielt dort entlastet werden, wo sie im internationalen Vergleich Wettbewerbs verzerrende Sonderlasten tragen.

Die Zukunft Deutschlands hängt jedoch nicht allein von der Haushalts- und Steuerpolitik ab. In Deutschland müssen auch Kinder und Familien wieder mehr Vorfahrt haben. Die Familie ist und bleibt der Mittelpunkt unserer Gesellschaft. Liebe, Geborgenheit, Vertrauen und Sicherheit entstehen zuallererst in Familien. Unsere Gesellschaft muss daher kinder- und familienfreundlicher werden. Auch hier ist jeder einzelne zum Umdenken aufgefordert. Eine Familie braucht finanzielle Sicherheit. Deshalb wird die Bundesregierung den Familienleistungsausgleich verbessern und ab 1996 als ersten großen Schritt den steuerlichen Kinderfreibetrag anheben. Deutsehland muss ein kinderfreundliches Land bleiben, denn ein kinderfreundliches Land ist ein menschenfreundliches Land und kann damit kein ausländerfeindliches Land sein.

Es geht heute darum, Deutschland eine gute Zukunft zu sichern. Vorrangiges Ziel muss weiterhin das Schaffen neuer Arbeitsplätze und das Bewahren von

Wohlstand und sozialer Sicherheit sein. Dass wir die Deutsche Einheit in Frieden und Freiheil erreicht haben, ist ein einmaliges Geschenk. Wir müssen auch weiterhin alles daran setzen, die innere Einheit Deutschlands zu vollenden. Die Menschen in Ostdeutschland haben - auch mit solidarischer Hilfe aus dem Westen - eine großartige Aufbauleistung vollbracht. Jetzt ist es vor allem wichtig, dass wir noch stärker gegenseitiges Verständnis füreinander aufbringen und menschlich mehr aufeinander zugehen.

Gleichzeitig müssen wir die europäische Einigung auch als Werk des Friedens im Interesse unserer Kinder und Enkel unumkehrbar machen. Bei all diesen Aufgaben kommt es nicht nur auf die Politik an. Entscheidend sind die Menschen - ihr Denken, ihre Einsteilung und ihr Engagement. Weltoffenheit und Selbstvertrauen, Fleiß und Leistungsbereitschaft sind auch die Tugenden, an denen Sie, Hebe Familie Meyer, und Ihre Vorfahren sich seit 200 Jahren orientieren.

Lassen Sie uns heute das 200jährige Firmenjubiläum der Meyer-Werft in norddeutscher Tradition feiern. Nur wer Feste feiern kann, kann auch feste arbeiten. In einem alten Papenburger Heimatlied heißt es: „Baut, schifft getrost, verlieret nie den Mut!" In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen für die Zukunft Glück, Erfolg und Gottes Segen.

Quelle: Bulletin des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung Nr. 10 (7. Februar 1995).