20. Mai 1998
Ansprache anlässlich der Auszeichnung der Medaillengewinner der Olympischen Winterspiele und der Winter-Paralympics Nagano 1998 mit dem Silbernen Lorbeerblatt im Gästehaus Petersberg bei Bonn


Herr Bundespräsident,

liebe Gäste,

vor allem liebe Sportlerinnen und Sportler,

ich freue mich sehr, heute bereits zum zweiten Mal im Rahmen der Auszeichnung mit dem Silbernen Lorbeerblatt unseren Aktiven für ihren Einsatz danken zu können.

Sie liebe Sportlerinnen und Sportler, stehen heute im Mittelpunkt. Sie haben durch Ihre herausragenden Leistungen überzeugt und waren durch Ihr sympathisches Auftreten zugleich gute Botschafter unseres Landes. Die Bilder der strahlenden Medaillengewinnerinnen und -gewinner, die nach der Siegerehrung ihre Blumensträuße ins Publikum warfen oder sich bei denjenigen, die die Pisten präpariert haben, für deren hervorragende Arbeit bedankten, sind mir - und mit mir unzähligen Deutschen - unvergessen.

Zu Recht freuen Sie sich alle über Ihre Medaillen. Doch die sind nicht vom Himmel gefallen. Sie haben lange und hart dafür trainiert und auch so manche Rückschläge hinnehmen müssen. Sie alle, die Sie in Nagano erfolgreich waren, haben bewiesen, daß man Ziele erreichen kann, wenn man sie beharrlich verfolgt, wenn man sich dafür anstrengt, ja plagt. Sie sind im besten Sinne des Wortes eine Elite, nicht aufgrund ihrer Herkunft, sondern allein wegen Ihrer herausragenden Leistungen.

Besonders hervorheben möchte ich auch den großen Erfolg unserer Sportlerinnen und Sportler bei den Winter-Paralympics. Es ist großartig, daß die hervorragenden Leistungen der behinderten Aktiven inzwischen das Interesse und die Anerkennung einer breiten Öffentlichkeit finden. In diesem Zusammenhang hat es mich besonders gefreut, daß mit Frank Höfle im April ein behinderter Sportler die Publikumsauszeichnung "As des Monats" erhalten hat.

Liebe Sportlerinnen und Sportler, mit dem Erfolg haben Sie auch Verantwortung übernommen. Sie sind ein großes Vorbild für viele - insbesondere für junge Menschen. Ich bitte Sie: geben Sie etwas von Ihren Erfahrungen - wo immer möglich - weiter. Vermitteln Sie den jungen Menschen, daß es sich lohnt, für etwas zu kämpfen und sich anzustrengen.

Deutschland braucht Leistungseliten, wenn es als rohstoffarmes Land im internationalen Wettbewerb bestehen will. Wir brauchen - nicht nur im Sport, sondern in allen Bereichen unserer Gesellschaft - Menschen, die bereit sind, mehr zu tun als andere und Außergewöhnliches zu leisten. Dabei weiß ich sehr wohl, daß Talent, Trainingsfleiß und Siegeswille allein nur die eine Seite der Medaille sind. Sie brauchen finanzielle und ideelle Unterstützung, um sich ohne die Sorgen um den Lebensunterhalt auf den Sport konzentrieren zu können.

Die Stiftung Deutsche Sporthilfe, über die Sie, Herr Bundespräsident, die Schirmherrschaft haben, ist für viele von Ihnen ein wichtiger Partner, um Spitzensport und Ausbildung miteinander in Einklang zu bringen. Die Stiftung Deutsche Sporthilfe kommt traditionell ohne öffentliche Mittel aus und finanziert sich ausschließlich über Sponsoren. Allen, die bisher dabei mitgeholfen haben und noch mithelfen, sage ich an dieser Stelle ein herzliches Wort des Dankes.

Aber auch die Bundesregierung wird den Leistungssport weiter fördern und wie bisher mit den Dach- und Spitzenverbänden eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Trotz des Drucks, der auf den öffentlichen Haushalten lastet, haben wir die Sportförderung 1998 auf gleichem Niveau wie im Vorjahr fortgesetzt. Die Bundesregierung wird den Sport auch in Zukunft im Rahmen ihrer Zuständigkeit fördern. Ich versichere Ihnen, daß eine von mir geführte Bundesregierung auch weiterhin ein verläßlicher Partner des Sports sein wird.

Ich wünsche Ihnen allen - denen, die heute ausgezeichnet werden und vor allem denen, die weitermachen -, weiterhin viel Glück und Segen!

Quelle: Bulletin der Bundesregierung. Nr. 39. 5. Juni 1998.