Nordatlantisches Bündnis (NATO)

Der Nordatlantikvertrag wurde am 4. April 1949 durch die Gründungsmitglieder unterzeichnet. Mit Inkrafttreten des Deutschlandvertrages trat die Bundesrepublik Deutschland im Mai 1955 der NATO bei. Der Zwei-plus-Vier-Vertrag ebnete für Deutschland als Ganzes die Mitgliedschaft im Bündnis.

Konrad Adenauer: Westbindung

Die Adenauersche Politik der Westbindung machte die Bundesrepublik zu einem soliden Partner der Westmächte im Ost-West-Konflikt und beim Neuaufbau Europas. Der erste Bundeskanzler war überzeugt, dass nur durch feste Bindung an die westliche Verteidigungs- und Wertegemeinschaft die Einheit in Freiheit erreicht werden könnte. Das politisch stabile und wirtschaftlich erfolgreiche System der Bundesrepublik sollte wie ein Magnet auf die DDR wirken. So hofft man der Wiedervereinigungspolitik Wege eröffnen zu können.

1980: NATO-Doppelbeschluss

Alle folgenden Bundesregierungen setzten die Politik der Verlässlichkeit im westlichen Bündnis fort. Zum besonderen Prüfstein wurde der NATO-Doppelbeschluss vom 12. Dezember 1979. Als die Sowjetunion — trotz praktizierter Entspannungspolitik im Verhältnis zu den USA — Mitte der 1970er Jahre im Bereich der atomaren Mittelstreckenraketen aufrüstete, beschloss die NATO, den neuen sowjetischen SS-20-Raketen eigene atomare Mittelstreckenraketen in Europa entgegenzustellen. Ein "präventiver Nuklearschlag", mit dem die Sowjetunion sämtliche in Westeuropa stationierten Nuklearwaffen sowie die Führungszentren undlogistischen Knotenpunkte der Allianz hätte ausschalten können, musste vermieden werden. Die ausgeschaltete "flexible response" hätte für den Westen die Alternative Kapitulation oder weltweite Vernichtung zur Folge gehabt. Um das militärische Gleichgewicht wieder herzustellen, muste die NATO in Westeuropa nachrüsten und ihrerseits Raketen stationieren.
Auf Initiative von Bundeskanzler Helmut Schmidt wurde der Nachrüstungsbeschluss mit dem Angebot von Rüstungskontrollverhandlungen an die Sowjetunion gekoppelt - ein Verhandlungsangebot über eine beiderseitige ausgewogene Begrenzung der eurostrategischen Waffen. Während Teile der SPD von diesem NATO-Beschluss und von der Politik ihres Kanzlers abrückten, setzte dessen Nachfolger Kohl trotz des öffentlichen Drucks der Nachrüstungsgegner in der Friedensbewegung, den Oppositionsparteien, Bürgerinitiativen und der evangelischen Kirche den Kurs seines Vorgängers fort. Am 22. November 1983 billigte der Deutsche Bundestag mit den Stimmen der Regierungsmehrheit von CDU/CSU und FDP die Stationierung neuer amerikanischer Mittelstreckenraketen. Die Doppelstrategie hatte Erfolg: Nach vorübergehender Unterbrechung der INF- und der START-Verhandlungen kehrte die Sowjetunion Mitte der 1980er Jahre an den Verhandlungstisch zurück. Wachsende Rüstungsausgaben und ökonomische Schwierigkeiten veranlassten die Moskauer Führung unter ihrem neuen Generalsekretär Michail Gorbatschow die Entspannungspolitik wieder aufzunehmen. 1986 konnten in Stockholm erstmals seit der KSZE 1975 wieder multilaterale Rüstungskontrollverhandlungen beginnen ("Konferenz über Vertrauens- und Sicherheitsbildende Maßnahmen und Abrüstung in Europa" — KVAE).

Kohl und Reagan: Verlässlichkeit

Diese Politik der Stärke und die eindeutige Bündnistreue zu den USA verlangtem dem amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan Respekt gegenüber Helmut Kohl ab. Am 5. Mai 1985 besuchten beide gemeinsam die Gedenkstätte Bergen-Belsen und — trotz öffentlicher Proteste den Soldatenfriedhof Bitburg.
In den Folgejahren gewann die Entspannungspolitik stetig an Bedeutung: Kohl unterstützte Reagans ehrgeizige Strategische Verteidigungsinitiative (SDI), ließ aber eine deutsche Beteiligung offen.
Als Reagan im Juni 1987 die geteilte Stadt Berlin besuchte, forderte er demonstrativ dazu auf: "Mr. Gorbatschow, tear down this wall!" Kurz zuvor hatte Kohl in einer Regierungserklärung für die"doppelte Null-Lösung" beim Abbau der Mittelstreckenraketen in Europa plädiert.

Kohl und Gorbatschow: Annäherung

Mit dem Verzicht auf die Modernisierung ihrer Pershing-Raketen machte die Bundesregierung 1987 den Weg frei für den Abbau aller in Europa stationierten (landgestützten) amerikanischen und sowjetischen Mittelstreckenraketen längerer und kürzerer Reichweite. Nach diesen Erfolgen erklärten Helmut Kohl und Michail Gorbatschow am 27. Oktober 1988 in Moskau, dass die "Zeit des Eises" durch ein freundlicheres Klima in den beiderseitigen Beziehungen abgelöst werden könne. Aus den Gegnern der Blockkonfrontation werden später persönliche Freunde. Auch die amerikanisch-russischen Abrüstungsverhandlungen schreiten voran: Am 8. Dezember 1987 unterzeichneten Washington und Moskau den INF-Vertrag (Intermediate Nuclear Forces), der beide Vertragspartner zum vollständigen Abbau und zur Vernichtung aller atomaren Mittelstreckenraketen verpflichtete.

Der Übergang vom Kalten Krieg zur Zusammenarbeit zwischen Ost und West war vorbereitet. Gleichzeitig hatte sich die Bundesrepublik Deutschland als verlässlicher Partner im nordatlantischen Bündnis erwiesen. Was beides bedeutete, zeigte sich, als es 1990 galt, die Einheit Deutschlands im Einklang mit den Interessen aller Nachbarn zu vollenden.

Kohl und Bush: Partner

Durch die beständige proamerikanische Haltung genoss Helmut Kohl auch bei Reagans Nachfolger Bush einen großen Vertrauensvorschuss. Bei einem Staatsbesuch am 30./31. Mai 1989 in Mainz sprach Bush von "partner in leadership" und schlug eine gemeinsame Führungsrolle der Bundesrepublik und den USA in der NATO vor.