Barschel, Uwe

* 13.05.1944 Glienicke/Berlin
† 11.10.1987 Genf

Rechtsanwalt und Notar, Ministerpräsident, Dr. jur., Dr. phil., ev.

1960 Eintritt in die Junge Union
1962 Eintritt in die CDU
1964 Abitur am Otto-Hahn-Gymnasium in Geesthacht
1964-1968 und
1969-1971
Studium der Rechtswissenschaften in Kiel
1964-1965 Vorsitzender des Landesverbandes des Rings Politischer Studentenverbände
1967-1971 Vorsitzender der Jungen Union Schleswig-Holstein
1968 Erste Juristische Staatsprüfung
1971 Zweite Juristische Staatsprüfung
1969-1971 Studium der Politologie, Volkswirtschaftslehre und Pädagogik
1969-1970 Lehrbeauftragter an der Pädagogischen Hochschule Kiel
1969-1987 stv. Vorsitzender der CDU Schleswig-Holstein
1970 Promotion zum Dr. jur.
1971 Promotion zum Dr. phil.
seit 1971 zunächst Gerichtsassessor, dann Rechtsanwalt und Notar
1971-1987 Mitglied des Landtags von Schleswig-Holstein
1973-1979 Vorsitzender der CDU-Fraktion im Landtag von Schleswig-Holstein
1973-1981 CDU-Kreisvorsitzender im Herzogtum Lauenburg
1979 Finanzminister von Schleswig-Holstein
1979-1982 Innenminister von Schleswig-Holstein
1982-1987 Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Rücktritt am 25.09.1987 aufgrund von Vorwürfen der Wahlkampfmanipulation gegen Björn Engholm (SPD) im Landtagswahlkampf 1987
11.10.1987 Tot in einem Genfer Hotel aufgefunden


Biographischer Werdegang

Barschel wurde 1982 der jüngste Ministerpräsident der Bundesrepublik Deutschland. Seinen Ruf als kompromissloser, konservativer Politiker hatte er durch sein hartes Vorgehen als Innenminister gegen Atomkraftgegner in Brokdorf 1981 gefestigt. Mit ihm an der Spitze gelang es der CDU 1983, die absolute Mehrheit in Schleswig-Holstein zu erringen. In seiner Regierungserklärung akzentuierte Barschel als Schwerpunkte seiner Arbeit die Reduzierung der Arbeitslosigkeit, den Umweltschutz und die Neuordnung der Medienlandschaft. Es gelang ihm auch, die Auseinandersetzungen mit den politischen Organisationen der dänischen Minderheit zu entspannen, indem er für die Bereitstellung zusätzlicher finanzieller Fördermittel sorgte. Bemüht um Eigenständigkeit seiner Politik gegenüber seinem Vorgänger Gerhard Stoltenberg, wollte er als Politiker zum Anfassen gelten und stellte auch seine kulturellen Interessen immer wieder heraus. 1986 war er Mitinitiator des „Schleswig-Holstein Musik Festivals". Barschel hat auf dem Gebiet des Öffentlichen Rechts und der Politischen Wissenschaft publiziert, u. a. einen Kommentar zur Landessatzung für Schleswig-Holstein (1976) und eine Arbeit über „Die Staatsqualität der deutschen Länder" (1981). Unmittelbar vor der Landtagswahl 1987 wurde der Vorwurf gegen Barschel erhoben, er sei Urheber einer Rufmordkampagne gegen den sozialdemokratischen Spitzenkandidaten Björn Engholm. Schwer belastet wurde Barschel von seinem Medienreferenten Reiner Pfeiffer. In einer dramatischen Pressekonferenz am 18. September versuchte Barschel, sich mit seinem „persönlichen Ehrenwort" von den schwerwiegenden Vorwürfen der Wahlkampfmanipulation reinzuwaschen. Am 25. September trat er als Ministerpräsident zurück. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss zur „Barschel/Pfeiffer-Affäre" bestätigte in seinem Abschlussbericht am 3. Februar 1988 schwere Verfehlungen Barschels im Wahlkampf. Schleswig-Holstein geriet in eine tiefe politische Krise, die weit über verfassungsrechtliche Fragen hinausführte und als eine der größten Vertrauenskrisen in der politischen Kultur der Bundesrepublik anzusehen ist. Am 11. Oktober 1987 wurde Barschel in einem Genfer Hotel tot aufgefunden. Die Untersuchungen kamen zum Ergebnis, dass es sich um Selbstmord gehandelt habe. Zweifel daran leben insbesondere in der Familie fort. Ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren wegen Verdachts des Mordes wurde 1998 eingestellt.


Literaturhinweise

H. Wissel: Ein politischer Fall (1988); Schleswig-Holsteinischer Landtag (Hg.): Der Kieler Untersuchungsausschuss (1988); H. Mosberg: 50 Jahre CDU Schleswig-Holstein (1996).

Jessica von Seggern