Dollinger, Werner


* 10.10.1918 Neustadt (Aisch)
† 03.01.2008 Neustadt (Aisch)

Unternehmer, Bundesminister, Dr. rer. pol., ev.

1936-1940 Abitur an der Wirtschaftsoberschule in Nürnberg, Studium der Wirtschafts- und Staatswissenschaften an der Handelshochschule in Nürnberg, an der Universität Frankfurt/M. und an der TH in München mit Abschluss als Diplomkaufmann
1942 Promotion zum Dr. rer. pol. mit der Dissertation "Wandlungen und Struktur- veränderungen in Deutschlands Wirtschaft, dargestellt anhand der Volks-, Berufs,- und Betriebszählungen von 1925 bis 1933"
1943-1945 Soldat im Zweiten Weltkrieg
1945 Leitung der elterlichen Kolonialwarengroßhandlung und der Dampfziegelei Dehn
1945 Mitgründer der CSU Neustadt
1946-1964 Stadtrat in Neustadt (Aisch)
1948 Vorsitzender der Industrie- und Handelskammer in Neustadt (Aisch)
1951-1972 Kreisvorsitzender und Mitglied des Landesausschusses der CSU in Neustadt (Aisch)
1952-1964 Kreisrat
1953-1990 Mitglied des Deutschen Bundestages
1956-1958 Mitglied der Gemeinsamen Versammlung der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS)
1957-1961 Vorsitzender des Arbeitskreises für Finanz- und Steuerfragen der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
1962-1966 Bundesschatzminister
1964-1987 Stv. Landesvorsitzender der CSU
08.-30.11.1966 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit
1966-1969 Bundesminister für Post- und Fernmeldewesen
1970-1995 Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates der Union
1974-1993 Vorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises der CSU und stv. Bundesvorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises
1976-1980 Vorsitzender des Arbeitskreises für Wirtschaft und Ernährung der CDU/CSU-Bundestagsfraktion
1980-1982 Vorsitzender des Bundestagsausschusses für Wirtschaft
1982-1987 Bundesminister für Verkehr


Biographischer Werdegang

Dollinger war nach dem Kriege zunächst Kommunalpolitiker in Neustadt und repräsentierte das protestantische Mittelfranken 1957-1989 in den Spitzengremien der CSU. Als Bundestagsabgeordneter widmete er sich vor allem Wirtschafts-, Finanz- und Mittelstandsfragen. 1953 rückte er in den Vorstand der CDU/CSU-Fraktion auf. Die CSU-Landesgruppe wählte ihn wiederholt (1957-1961 und 1969-1976) zum stellvertretenden, 1961-1962 zum Vorsitzenden. Konrad Adenauer, Ludwig Erhard, Kurt Georg Kiesinger und Helmut Kohl beriefen den Wirtschaftsfachmann zwischen 1962 und 1987 in ihre Kabinette. Dollinger engagierte sich seit den 1940er Jahren in verschiedenen Wirtschaftsorganisationen, 1970-1996 war er Vorsitzender des Wirtschaftsbeirats der Union. Geprägt vom evangelischen Bekenntnis wirkte er 1965-1995 in der Bayerischen Landessynode und 1971-1991 in der Synode der EKD mit. Als Mitglied und Vorsitzender des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CSU (1974-1993) sowie als stellvertretender Bundesvorsitzender des EAK der CDU/CSU stärkte er die evangelischen Stimmen innerhalb der Union. Dollinger hatte maßgeblichen Anteil an der Anbindung der anfänglich sehr distanzierten protestantischen Wähler in die CSU.


Literaturhinweise

Hanns-Seidel-Stiftung (Hg.): Geschichte einer Volkspartei. 50 Jahre CSU 1945-1995 (1995); T. Oppelland, in: U. Kempf/H.-G. Merz (Hg.), Kanzler und Minister 1949-1998 (2001); C. Schwarz-Schilling: Bundesminister Dr. Werner Dollinger ein christlicher mittelständischer Unternehmer in politischer Verantwortung - Betrachtungen eines Kollegen, in: Streiflichter aus der Heimatgeschichte, Neustadt a.d. Aisch, 32/2008 (2009), S. 92-103.

Renate Höpfinger